“V wie Vendetta” (2005)

24. Juli 2006
von

“V wie Vendetta” (2005)

 

von James McTeigue

In einem totalitären England taucht ein scheinbar übermenschlicher Terrorist mit den Decknamen “V” auf, der sein Gesicht mit einer Guy Fawkes-Maske verbirgt, Symbole des Staates zerstört und dessen Würdenträger tötet.
Als Fan der Vorlage war ich natürlich besorgt, dass der große Alan Moore seinen Namen vollständig zurückgezogen hat, jedoch halbwegs wieder beruhigt, als ich erfuhr, dass er das nach “LXG” und “From Hell” vorsorglich getan hat, ohne auch nur ein Drehbuch zu lesen.

- Machen wir’s kurz, ich war vollauf begeistert!
Brilliante Bilder mit eindrucksvollen Massenszenen und originalgetreuem Design, die Schauspieler (zumindest die, deren Gesichter man sieht, Hugo “V” Weaving kann ich aufgrund der deutschen Fassung nicht beurteilen) sind überzeugend, der Film ist spannend und das Ende bombastisch apokalyptisch. Da der Film von den Wachowski-Brüdern geschrieben wurde (McTeigue selber war bislang nur als Second Unit-Director tätig) gibt es natürlich auch eine längere Zeitlupenkampfszene. Diese ist aber kein reines Zugeständnis an die „Matrix“-Erwartungen, sondern eine grandiose Szene, die mit fast schon anstößiger Lust Vs Kunst des Tötens zelebriert, die sonst in ihrer unglaublichen Geschwindigkeit nie richtig fassbar ist.

Doch schickes Aussehen war nie das Problem von Wachowski-Filmen. Sind sie bei „Matrix Revolutions“ einfach nur auf den Geschmack von Revoluzzerphrasen gekommen, oder sagt dieser Film wirklich etwas?
Daraus ergibt sich gleich die größte Frage, nämlich die nach der inhaltlichen “Richtigkeit” des Films und die ist schwer zu beantworten.

Da er hier menschlicher und emotionaler ist, als in der Vorlage, wurde hier nicht wirklich deutlich, dass V keine reine Vorbild-Heldenfigur ist, sondern tatsächlich ein Monster, das von einer (richtigen) Idee angetrieben wird. Pro-terroristisch? Ja, vielleicht – allerdings handelt der Film nicht vom realen Terrorismus, der Unschuldige tötet, um allgemeine Angst zu schüren, sondern vom idealistischen Freiheitskampf, der von seinen Gegnern als Terrorismus verunglimpft wird. V tötet die Diener und Mitglieder eines Systems, das durch Staatsterrorismus seine Daseinsberechtigung verloren hat, einer Regierung, die vergessen machen will, dass sie dem Volk zu dienen hat, anstatt umgekehrt.
Mutig war es bei dem Film besonders, dass man der Geschichte einen anderen historischen Hintergrund als im Comic gegeben hat: Eindeutig wird die aktuelle politische Lage in Amerika als Vorbild genommen, der Faschismus ist dem angeblichen Kampf gegen islamistische Fundamentalisten entwachsen. Die Bilder aus Gefängnissen und Internierungslager sind dabei schon fast dreist auf die bekannten Vorbilder aus Auschwitz, Abu Ghureib und Guantanamo Bay gemünzt, aber das ist zulässig, da diese nun mal die Symbole für staatliche Grausamkeit geworden sind.
Dass man dem gesichts- und charakterlosen V eine unglaubwürdige Liebesgeschichte mit Evey (Natalie Portman) übergestülpt hat, ist wohl ein ärgerliches Zugeständnis an die Konventionen, lässt sich aber verschmerzen, obwohl es die Ideen, die beide antreiben natürlich an Glaubwürdigkeit nimmt.
Trotzdem, “V wie Vendetta” ist ein stilistisch wie inhaltlich großartiger und aktueller Film, der den Geist der Vorlage trifft, aber dennoch eigenständig ist.

 

Dirk M. Jürgens

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