“Reeker” (2005)
“Reeker” (2005) von Dave Payne
Fünf junge Leute (inklusive Flittchen, Dealer, Blindem und Final Girl) sind durch die Wüste unterwegs zu einem Rave, als sie eine Panne haben und über Nacht in einem scheinbar verlassenen Motel unterkommen.
Ein scheinbar verwirrter Mann in einem Wohnmobil, der auf der Suche nach seiner gerade verschwundenen Frau ist stößt zu ihnen, doch bald erscheint ein geheimnissvoller Killer, dem ein beißender Leichengestank vorauseilt…
Ich weiß nicht mehr, welche Zeitschrift es war, aber irgendwo wurde “Reeker” als “”‘Donnie Darko’ des Slasherfilms” beschrieben, auch in den Interviews schwärmten alle Beteiligten davon, wie intelligent, überraschend und anders der Film wäre. . .Pustekuchen!
Der Teaser erweckte erst mal gute Hoffnungen: Eine Familie hat auf dem Highway einen Zusammenstoß mit einem Reh, als sie aussteigen, werden sie von einer geheimnisvollen Kraft abgschlachtet – alles spannend inszeniert und saublutig. Allein der Kopf des Vaters, dem ein Stück fehlt, so dass man durch das Loch den sich bewegenden bloßliegenden Augapfel sieht ist verdammt hart und ungewohnt.
Dann geschieht jedoch eine gute Stunde eigentlich gar nichts – okay, die Figuren werden tatsächlich eingeführt und sind mehr als bloßes Kanonenfutter, aber auch nicht so interessant, dass man ihnen einfach beim Herumstreunen zusehen möchte. Und es hätte gereicht, einmal darauf hinzuweisen, dass die verbliebenen Sinne des Blinden geschärft sind.
Tja, dann irgendwann schlägt endlich mal der Reeker zu: Erstmal nur als erstickender Gestankt (visualisiert durch flimmernde Luft), dann durch Angriffe aus dem Off. Generell geschickt ist es, irrationale kindische Ängste zu betätigen, so greift er unter dem Bett hervor und lauert sogar in der Toilette. . .leider strotzt zumindest letztere, elendig lange Szene vor unfreiwilliger Komik; auch ist eines seiner Mordwerkzeuge – ein seltsames Ding mit Kreissäge – eher lächerlich, denn bedrohlich.
Wenn sich der Reeker dann gegen Ende zeigt, ist er dafür wirklich ein Schmuckstück – eine verwesende Skelettgestalt mit Gasmaske, einer Art zerrissenem Mantel und jeder Menge Tötungsinstrumente an seinem Werkzeuggürtel, der Showdown mit ihm gewinnt dann noch mal etwas an Fahrt und erinnert an den (meines Erachtens auch nicht so gelungenen) „Jeepers Creepers“ in seinen besseren Momenten.
Doch dann. . .folgt der ach so überraschende Schlusstwist, den ich hier glatt mal spoilere:
SPOILER ! ! !
Auf der Anfahrt hatten unsere Helden einen Unfall und bis auf die beiden, die dem Reeker entkommen sind, sind alle tot. Gleiches geschah mit der Familie aus dem Teaser.
Mit anderen Worten: Die gleiche lahme Nummer wie mittlerweile in jedem zweiten Film nach „The Sixth Sense“.
„Donnie Darko“…sicher! Okay, dadurch, dass jeder von Killer entsprechend seines Unfalltodes umgebracht wird (Flittchen führt er seinen Bohrer ein => innere Verletzungen, einen anderen Typen wirft er durch ein Fenster => wurde durch die Windschutzscheibe geschleudert) ist er immerhin etwas origineller und man kann durchaus darüber streiten, was Ursache und was Wirkung war (setzt der Unfall die Taten des Reekers um, oder ist er der Tod, der den Sterbenden ihre Todesursache demonstriert?), aber das mit Richard Kellys vieldeutigem Kunstfilm in Verbindung zu bringen ist lächerlich!
SPOILER ENDE
Wir haben also einen wirklich coolen und schaurigen Killer (mit wenig Screentime), echte Charaktere und einen tollen Teaser, die für den Film sprechen. Dagegen sprechen jede Menge Langeweile und ein lahmer, unorigineller Schlusstwist, der ein Schlag ins Gesicht für jeden sein dürfte, der den vollmundigen Anpreisungen der Macher geglaubt hat.
Statt des angekündigten Undergroundperlchens ist es also ein kleines Stück Horrormassenware mit Blut und einigen funktionierenden Schocks. Könnte schlimmer sein, hätte aber besser sein können.
Wer den Film ohne große Vorkenntnisse und hohe Erwartungen sieht (und bloß die Finger vom Making of lässt) kann ganz zufrieden sein, wird sich aber dennoch nicht lange daran erinnern; auch zum mehrmaligen Sehen bietet es keine wirklichen Anreize.
(Dirk M. Jürgens)
