„Planet Terror“

20. Oktober 2007
von

“Planet Terror” (2007) von Robert Rodriguez

Der Herr Rodriguez gehört ja schon länger zu meinen Hausgöttern, aber ich war doch schon gespannt, was er nach dem zwar coolen, aber zu verworrenen “Irgendwann in Mexiko” und dem brillianten, aber natürlich von Frank Miller dominierten “Sin City” bringen würde. Da er ja Teil des “Grindhouse”-Projekts ist, ist natürlich auch dieser Film in so weit festgelegt, als dass er die Pflicht hat, so schlockig wie möglich zu sein und den Look künstlich zu verschlechtern. Letzteres ist auch sein, meiner Meinung nach, einziges Problem – stellenweise wird es wirklich zu zerkratzt und wackelig, so dass es wirklich stört und auch nicht mehr authentisch wirkt. Ob der durch einen “Filmriss erzwungene” Handlungssprung eine gute Idee ist, weiß ich auch nicht, in jedem Fall ist er aber für einen Lacher gut und die Dreistheit, wieviel scheinbar fehlt, ist auch nicht zu verachten.
Und sowieso – das lässt sich wahrlich verschmerzen!

Denn was hat der Film nicht alles zu bieten: Splatter in so extremer Überzogenheit, wie man ihn sonst vielleicht bei Troma-Filmen sieht (jeder einzige Revolverschuss lässt gleich Körper explodieren), Rodriguez-typische Übercoolness (sowohl Freddy Rodriguez als Revolverheld, als auch Rose McGowan mit ihrer M16-Beinprothese sind in jeder einzelnen Szene tadellos), diverse Gaststars (Tarantino kommt nicht so gut, Bruce Willis umso mehr und auch Michael “Texas Ranger Earl McGraw” Parks und ein sehr ungewöhnlich eingesetzter Tom Savini bieten Höhepunkte) und schrägen, tiefschwarzen Humor.
Hervorzuheben ist auch die grandiose, manchmal an Carpenter anlehnende, meist aber tänzerisch aufputschende Musik, welche der Regisseur mal wieder selber komponiert hat. Wie schon “Kill Bill” (und wohl auch der von mir noch nicht gesehene “Death Proof”) spielt “Planet Terror” nicht in einem einfachen Film-Universum, sondern dem, was Tarantino das “Movie-Movie-Universe” nennt, will sagen, ein Universum das soviel unlogischer und überstylter ist, als das gewöhnliche Filmuniversum, wie dieses im Verhältnis zu unserem.
So tragen die Figuren Namen wie “Cherry Darling” oder “El Wray”, es stört niemanden, dass erstere ihr Beingewehr abfeuern kann, ohne den Abzug zu berühren und nachladen muss sowieso niemand. Da der Film von Anfang an auf Spaß statt ernsthaften Schreckens gerichtet ist (was nicht heissen soll, dass er nicht stellenweise doch erstaunlich spannend ist und ein paar gute Schocks aufweist) werden die Infizierten nicht wie Romeros Untote beunruhigend unkommentiert in die Szene geworfen, sondern sind im Gedenken an “Return of the Living Dead” mittels grün leuchtendem Gas aus den Laboren al-Qaidas entstanden. Ein überraschend eingeworfener Brocken Zeitgeschehen!

Ich fasse zusammen: Ein witziger, verspielter, seinen Vorbildern gegenüber offener Splatterfilm mit interessanten Comic-Charakteren und absoluter Schamlosigkeit in Sachen Logik und Geschmack. Ein Film, wie von David Hartman gezeichnet, SO hatte ich mir die Filme Rob Zombies erhofft, von denen ich bislang so enttäuscht wurde. Ich bin begeistert!

(Dirk M. Jürgens)

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