„Dear Wendy“

4. Oktober 2007
von

“Dear Wendy” (2005) von Thomas Vinterberg

Dogma-Mitbegründer Vinterberg hat von mir seit “Das Fest” ja einen gewaltigen Stein im Brett, dass Lars von Trier den Film geschrieben hatte, erfuhr ich erst im Nachhinein, aber ich war doch gespannt genug. Sorgen machte es mir, dass es laut diverser Kritiker um “flache Kritik am Waffenwahn” ging – ein Thema, das zu leicht, zu billig behandelt werden kann und oft lächerlich wird.
Meine Erwartung an den Film sah so aus:

Typ bekommt Knarre – Selbstbewusstsein wächst – findet Kumpels, die ebenfalls Knarren mögen – simples “Pistole = Penis”-Gewäsch – irgendwer wird in Überreaktion erschossen – allgemeine Betroffenheit und Erkenntnis. Bla!

Oh, aber wie irrte ich mich!
Natürlich wurden die ersten drei Schritte erfüllt, doch schon dadurch, dass die “Dandies” auch ein weibliches Mitglied haben, umgeht der Film die erwarteten Plattheiten. Überhaupt haben ihn besagte Kritiker scheinbar schlicht und ergreifend als message movie missverstanden, obwohl er doch soviel mehr ist!

Unter anderem zeigt er, dass Vinterberg nicht etwa deshalb Dogma-Filmer war, weil er keine überzeichneten Szenen machen kann: Hier wird geschnitten, gestylt und stilisiert, was das Zeug hält. Im Showdown (ja, es gibt einen) nimmt die Inszenierung gar Robert Rodrigues-hafte Züge an, wenn Kugelflugbahnen per gestrichelter Linie nachgezeichnet und Einschüsse mit Röntgenbildern illustriert werden.

Die Ausstattung gibt sich zwar anfangs unspektakulär und bieder, später jedoch, wenn die Dandies ihre eigene Welt, mit eigenen Regeln und eigener Sprache (Waffen töten nicht, sondern “lieben”) im Dienste des “bewaffneten Pazifismus” gründen, kommen auch wirklich bizarre Kostüme zwischen Revolverheld und Edelmann zum Einsatz. Bill Pullman in einer Nebenrolle als Sheriff begeistert ebenso, wie der gelungene Zombies-Soundtrack.
Ich kann nur sagen, ich bin absolut begeistert!

(Dirk M. Jürgens)

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