“300″ (1989/2006) von Frank Miller / Zack Snyder

13. April 2007
von

„300“

von Frank Miller und Lynn Varley

(1989, dt. Ausgabe CrossCult 2006) Historien-Action

bzw.

von Zack Snyder (2006)

Schon gut, schon gut. Ich will jetzt gar nicht erst so groß tun, auch ich habe erst durch die Verfilmung von diesem Comic gehört und wollte ihn jetzt schnell lesen, bevor ich ins Kino gehe, um dort wieder mal durch „Abweichung von der Vooorlaaageeee!“-Rufe aufzufallen.

Wie dem auch sei, die Story ist schnell erzählt: 480 v. Chr. macht sich der persische Gottkönig Xerxes auf, nach Asien auch Europa zu unterwerfen und mit nur 300 seiner Krieger stellt sich ihm König Leonidas von Sparta ihm an einem Engpass entgegen.

Ebenso wenig braucht wohl zu Millers Zeichnungen gesagt werden, die wie immer brillant sind, auch jenseits der schwarz-weißen Strenge von „Sin City“; das ungewöhnliche Querformat, in dem der Comic auch hier in Deutschland erscheint macht es zwar zu einem Problem für jedes Sammlerregal, trägt aber auch zur überwältigenden Bildband-Wirkung bei.

Von der überwältigenden Optik des Films konnte sich auch schon jeder im Trailer überzeugen und muss daher wissen, ob es seinen Geschmack trifft, oder nicht – meinen traf es jedenfalls. Ein höchst künstlicher Film mit bewegter Kameraarbeit, aufpeitschendem Score und opulenter Ausstattung.

Kommen wir also zur inhaltlichen Kritik, des Werkes, dessen Verfilmung von verkappter Homosexualität bis Faschismus ja so ziemlich alles vorgeworfen wurde, was deutsche Kritiker gerne entdecken mögen.

Oberflächlich ist das durchaus nachzuvollziehen: Die athletischen, nur mit Mantel, Gürtel und Helm (im Film noch Lendenschurz) bekleideten Spartaner reden fast ununterbrochen von Kriegerehre, der Notwendigkeit von Stärke und der Verachtung, die Schwäche verdient, der Heldentod ist das edelste Ziel. Sich an der Riefenstahl-Optik hochzuziehen halte ich dabei für ein schwaches Argument, da ich sie an und für sich schätze und für wertfrei halte. Es hat sich nur zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickelt, dass nur Künstler sie zu benutzen wagen, die eh schon dem Verdacht des Faschismus unterworfen sind.

Inhaltlich unterscheiden sich Film und Comic hier zwar nur in einigen Details, doch diese sind entscheidend. Denn auch wenn Miller sicher nicht allzu weit links am Rand steht (was zulässig ist – eine gesunde Gesellschaft braucht Balance), enthält sein Werk keine Wertungen und zeigt seinen Leonidas durchaus zwiespältig, während Snyder ihn als reinen Helden glatt bügelt.

Antwortet er im Comic auf den begeisterten Ruf, man werde ihm bis in den Tod folgen mit einem missgelaunten „Das war keine Bitte von mir. Die Demokratie überlassen wir schön den Athenern.“ Und zeigt damit, dass es ihm hier mitnichten wirklich um Freiheit und Gerechtigkeit, sondern seinen Stolz geht, so antwortet er im Film nur mit einem anerkennenden Nicken.

Ephialtes, der Bucklige, der die Spartaner verrät ist bei Miller eine bemitleidenswerte Kreatur, die nur nach Anerkennung sucht (welche ihr der an Vielfalt interessierte Xerxes, anders als die auf Gleichförmigkeit ausgerichteten Spartaner gewährt) und ein Blutbad verhindern will, ist bei Snyder einfach nur noch ein verführbarer Judas, der die Pracht der Perser, der Aufrichtigkeit Spartas vorzieht.

Bleibt Miller stets bei seinen Figuren im Feld, so macht der Film noch eine Heimatfront auf, an der Leonidas’ Gattin mit korrupten, feigen und demokratisch legitimierten Politikern zu kämpfen hat. Wenn sie schließlich einen von ihnen ersticht (royale Diktatur ist eben besser als die Demokratie, die ihr Mann zu verteidigen vorgibt) fallen aus seinen Taschen Münzen mit dem Antlitz Xerxes’ – denn was kann es auch für einen anderen Grund geben, gegen den Krieg zu sein?

Fraglich überhaupt, wozu der das Gemetzel unterbrechende Handlungsstrang dient – glaubte man wirklich, damit würde man ein weibliches Publikum für diese Testosteron-Orgie gewinnen?

Die Grausamkeiten und Rücksichtslosigkeit innerhalb der Spartaner hat man auch möglichst unauffällig auf einen Prolog reduziert und verfällt dann in normales Kameradschaftsgetue. Irgendwie will man Leonidas noch zusätzlich durch die Liebe zu seiner Frau motivieren, wie das funktioniert (würde er kapitulieren, bliebe sie Königin, verliert er, wird sie Lustsklavin des Perserkönigs), bleibt allerdings unklar.

Vom Historischen entfernt sich der Film vollständig, wenn er fleißig Monster in die „hundert Völker Asiens“ mischt – Orks, Trolle, Riesenwölfe…hat da einer den „Lord of the Rings“ gesehen?

Während ich den Comic also vom Faschismusverdacht freisprechen möchte, da er (ähnlich wie „Starship Troopers“) lediglich faschistoide Figuren benutzt, ihre Meinung aber nicht wirklich propagiert, ist mir das beim Film leider nicht möglich.

Da er stilistisch aber wirklich brillant ist, und die splatterigen Schlachtenszenen zum besten gehören, was ich je gesehen habe, so dass ich wohl trotzdem eines Tages die DVD erwerben werde, möchte ich all denen zu ihm raten, die über oben gesagtes hinwegblicken können. Denn es ist ja nun im Endeffekt nur ein Unterhaltungsfilm und die Faschismus-Hysterie, die er bei vielen ausgelöst hat, halte ich auch für übertrieben.

Die Vorwürfe, er sei Propaganda für den Irak- und einen eventuellen Irankrieg ist ebenfalls überzogen, da das ihn ihm gesungene Hohelied auf den Heldentod ja hier im Westen doch mittlerweile etwas unpopulär geworden ist und man die Metapher genauso gut umdrehen kann: Supermacht gibt sich freundlich, nachdem sie alle anderen Staaten unterworfen hat, doch ein tapferes Volk ohne Todesfurcht stellt sich ihm entgegen.

Die Homo-Tiraden des SPIEGELS hingegen sprechen mehr für ein Problem beim zuständigen Redakteur, denn für eine wirkliche derartige Ader des Films.

Alan Moores „Watchmen“ sehe ich beim gedankenlosen Stilkünstler Snyder allerdings in den total falschen Händen.

Dass der inhaltlich fragwürdige und überaus blutige Film, der seine Gewalttaten stets gut heißt, bereits ab 16 freigegeben wurde, während oben erwähnter „Starship Troopers“ wegen seines Uniformendesigns noch immer nur für Volljährige zugelassen ist, zeigt nebenbei auch, wie sehr unsere Jugendschützer die Form vor den Inhalt setzen.

Ich sollte vielleicht anmerken, dass ich nach dem Film Rammstein-Songs als Ohrwurm hatte, obwohl die Band auf dem Soundtrack nicht vertreten war.

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