„Zombie World“ von diversen Autoren und Zeichnern
„Zombie World“ von diversen Autoren und Zeichnern
(ab 1997 bei Dark Horse Comics, keine dt. Ausgaben) Horror
Waren es die Zombies, die hierzulande ja gewisse Diskriminierungen erleiden müssen oder waren es die nur mittelmäßigen Verkaufszahlen, die dazu führten, dass die von „Hellboy“-Schöpfer Mike Mignola konzipierte Serie „Zombie World“ bis heute nicht auf deutsch erschienen ist?
Da wir diese generelle Frage leider nicht beantworten können, beantworten wir lieber eine andere, die wir zu diesem Zweck erst einmal stellen müssen: Was zum Henker ist „Zombie World“?
Es handelt sich um mehrere One-Shots und Miniserien, die davon erzählen, wie die Erde von einer Invasion der Zombiearmee des Jahrtausende alten Magiers Azzul Gotha heimgesucht wird, ohne durchgängigen Helden schildern die unterschiedlichen Geschichten Einzelschicksale angesichts der Katastrophe. Eingeleitet wird das ganze von „Champion of the Worms“, der einzigen Story der Serie, die der große Mignola selber geschrieben hat – leider nicht gezeichnet, aber der an „Tim & Struppi“ gemahnende Stil Pat McEowns weiß auch voll und ganz zu überzeugen. Möglicherweise liegt der
Grund, nicht selber zu zeichnen darin, dass man sich zumindest optisch vom grandiosen großen Bruder „Hellboy“ unterscheiden wollte, zu dem inhaltlich doch gewaltige Parallelen bestehen: Das übersinnliche Heldenteam des alten Major Damson kontaktiert Rebecca Dean, die Tochter eines Archäologen um zu verhindern, dass der oben genannte Azzul Gotha befreit wird – wie erwartet ohne Erfolg, was für die Welt verheerend , für die Serie natürlich gut ist.
Da „Zombie World“ wie oben schon angedeutet, kein allzu großer Erfolg beschert war, brachte sie es auf nur vier Miniserien und zwei Einzelhefte, damit insgesamt auf fünfzehn Hefte, die sich in Inhalt und Qualität stark unterschieden. Hier ein kurzer Überblick:
“Champion of the Worms“ (Mike Mignola & Pat McEowns)
Siehe oben. Wem an “Hellboy” an “Hellboy��? nicht nur der Zeichenstil, sondern auch die Geschichte gefiel, wird auch das mögen. 3 Teile
“Home for the Holidays��? (Gordon Rennie & Gary Erskine)
One-Shot, der den Kampf einer Großfamilie gegen ihre verstorbene Verwandtschaft schildert; nichts auffälliges. 1 Teil

“Dead End��? (Stephen Blue)
Nachdem einer Autopanne flieht eine Frau vor auftauchenden Zombies in ein abgelegenes Haus, indem ein Mann mit seiner seltsamen alten Mutter lebt. Nette Zombiegeschichte, nichts weltbewegendes, aber auch nichts dran auszusetzen. 2 Teile
“Eat your Heart out��? (Kelly Jones)
Von diesem One-Shot ist 1999 auch eine deutsche Ausgabe bei EEE erschienen; der Grund dafür dürfte sein, dass es der vielleicht härteste Horrorcomic aller Zeiten ist. Was Jones, der mir vor allem
durch seine bizarre Serie „The Hammer“ (über einen Lovecraftschen Superhelden, auch bei EEE) bekannt war, hier an kannibalistischen Exzessen präsentiert habe ich noch nie gesehen. Das soll aber nicht heißen, dass es bloß ein tumbes Splatterfest ist! Die makabre Geschichte um einen Mann, der seine zombiefizierte High School-Liebe im Keller hält und mit lebenden Menschen füttert ist gut erzählt und trieft vor tiefschwarzem Humor. 1 Teil
“Winter’s Dregs��? (Bob Fingerman & Tommy Lee Edwards)
Die erste Miniserie von “Zombie World��?, die mir wirklich missfallen hat. – Die Zombies erreichen New York und verschiedene Menschen kämpfen ums Überleben. So weit, so gut, ich möchte die Geschichte selber hier gar nicht verurteilen, das Problem sind Edwards
schwarzübersättigte, irgendwie verwaschen wirkende Zeichnungen, die das Geschehen furchtbar unübersichtlich machen. Natürlich hätte etwas konkrete Handlung auch nicht geschadet, denn in erster Linie spekuliert man wohl auf den „Wow, es ist New York!“-Reflex, vieler Leute, die diesen Ort magisch überhöhen, als wäre es das neue Jerusalem. 4 Teile
“Tree of Death��? (Pat Mills & J. Deadstock)
Als klar war, dass die Serie nicht weitergehen würde, sollte man wohl einen notdürftigen Abschluss schaffen: Mignolas Heldenteam setzt ihren Kampf gegen Azzul Gotha fort und erhält Unterstützung durch „Killcrop“, einen Zombiejäger aus der Steinzeit.
Schräge, detailverliebte Zeichnungen, reichlich Splatter, schwarzer Humor, Wiederaufnahme der Anfangshandlung und ein paar verdammt eklige, scheinbar an Clive Barker orientierte Dämonen geben dem ganzen ein akzeptables Ende. 4 Teile
Schade, dass die Serie schon so früh endete – mit dem Angriff auf New York (die Stadt, die niemals Ruhe gibt, oder wie hieß das?) hatte gerade der apokalyptische Teil begonnen, als unsere der Major und seine Leute schon bei ihrem zweiten Aufeinandertreffen mit dem Feind einen Teilsieg verbuchen können. Es wäre schön gewesen, hätte man die Ausbreitung der Invasion und den Kampf unserer Helden etwas langfristiger ausbreiten können, aber das sollte halt nicht sein.
Es ist also zu bezweifeln, dass die Serie in nächster Zukunft den Sprung über den großen Teich schafft, so dass Interessierte wohl auf Importhändler zurückgreifen müssen, zumindest „Champion of the Worms“ ist auch als Paperback erschienen.
Lohnt sich diese Mühe denn? Ich würde sagen, ja!
Zwar gibt es einigen Schatten (eigentlich nur „Winter`s Dregs“) und nicht jeder Zeichner kann wirklich gute Zombies zu Papier bringen (ich hätte mir einen Beitrag von David Brewer gewünscht, seine Ghoule in „Evil Ernie“ sind eine Wonne), aber der ewig hungrigen Zombie-Fan darf dankbar für dieses Futter sein!
